Wie bedrohlich sind die mittelfristigen Inflatiosnrisiken?

Hier finden Sie eine Studie der Deutsche Bank Research (www.dbresearch.de) der Deutsche Bank AG zum Thema Wie bedrohlich sind die mittelfristigen Inflationsrisiken? (Autoren: Dr. Bernhard Gräf, Stefan Schneider) aus der Reihe Aktuelle Themen 443 vom 30.04.2009.
 

Auszug aus dem Inhalt

Selten wurden die Inflationsperspektiven so unterschiedlich eingeschätzt wie derzeit: Während die einen – inklusive OECD – vor Deflation warnen, meinen andere, dass mittelfristig ein massiver Anstieg der Inflation droht.

Sicher, Geld- und Fiskalpolitik bewegen sich derzeit auf unbekanntem Terrain, so dass natürlich Vorsicht bei der Analyse angebracht ist. Dennoch halten wir die Inflationssorgen auch auf mittlere Sicht von 3 bis 5 Jahren für übertrieben.

Anlass für Inflationssorgen sind die massiven Ausweitungen der Zentralbank-bilanzen. Diese führen aber nicht automatisch zu einer kräftigen Erhöhung der Geldmenge, wie die jüngsten Daten zur Geldmengenentwicklung in der Eurozone zeigen.

Sowohl die Fed als auch die EZB werden bei einer Normalisierung des Kreditmultiplikators die Liquiditätsversorgung im Rahmen ihrer Offenmarktgeschäfte zurückführen.

Ähnliches gilt für die Fiskalpolitik, die derzeit versucht, die einbrechende private Endnachfrage zumindest ansatzweise zu ersetzen. Sowohl in den USA als auch in Brüssel werden schon Szenarien über die Rückführung der massiven Budgetdefizite entwickelt, sobald die Konjunktur sich wieder belebt.

Eine dauerhafte Monetisierung der staatlichen Schuldenlast durch die Zentralbanken bzw. deren Reduktion über eine höhere Inflation dürften aufgrund folgender struktureller Veränderungen unwahrscheinlich sein:

  • Unabhängige Zentralbanken, die die Anstrengungen, die Inflations-erwartungen auf niedrigem Niveau zu verankern, sichern.
  • Zunehmende Rolle internationaler Kapitalmärkte, die für die reibungslose Refinanzierung der Staatsschulden (jährlich rund ein Siebtel) notwendig sind. Zudem wird der überwiegende Teil der Neuemissionen von institutionellen Investoren erworben, die extrem schnell auf veränderte Inflationsperspektiven reagieren. Eine höhere Inflation und damit steigende Zinsen stellen somit keine attraktive Option für Regierungen dar.
  • Geringe Geldillusion der privaten Haushalte, die die Möglichkeit der Politik, quasi unbemerkt eine „Inflationssteuer“ zu erheben, verringert.
  • Zunehmende Inflationsaversion von alternden Gesellschaften mit hohen Finanzvermögen und im Durchschnitt weniger Möglichkeiten, eine inflationsbedingte Entwertung ihrer Vermögen durch verstärktes Sparen aufzufangen.
  • Hohe US-Treasury-Bestände des amerikanischen Sozialversicherungs-systems von rund 38%. Da die Auszahlungen der Rentenversicherung inflationsindexiert sind, würde eine höhere Inflation zu massiven Problemen führen.

Mit Blick auf die tiefe Rezession und die drastisch unterausgelasteten Kapazitäten dürfte der Preisauftrieb 2009 und 2010 äußerst moderat bleiben – vereinzelt wird es vorübergehend zu sinkenden Preisniveaus kommen – und auch auf mittlere Sicht in den größeren Industrieländern nicht mehr als 2% bis 3% p.a. betragen.

Quelle: Wie bedrohlich sind die mittelfristigen Inflationsrisiken? (Dr. Bernhard Gräf, Stefan Schneider) aus der Reihe Aktuelle Themen 443; Deutsche Bank Research (30.04.2009)

AnhangGröße
Deutsche Bank AG_Wie bedrohlich sind die mittelfristigen Inflationsrisiken_30.04.2009.pdf293.7 KB

TREASURYWORLD ist ein Service von ROLAND ELLER | Impressum | Kontakt